Holzverbindet Osttirol mit Bayern – Osttirols Holzbauer denken Zukunft 21.3.2018
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4. HOLZVERBINDET-TAGUNG 2018 (15.-16. März)
INFORMATIONSTAGE „CHANCEN UND ENTWICKLUNGEN IM HOLZBAU“

Thal-Wilfern (März 2018) – Für zwei Tage wurde die hochmoderne Abbundhalle der Firma Theurl Holz in Thal-Wilfern zu einem Ort der Begegnung umgerüstet. In einer fast holzstaubfreien Werkhalle lauschten über 170 Interessierte der Holzbaubranche aus dem In- und Ausland den Vortragenden, die sich aus unterschiedlichsten Perspektiven den Chancen und Entwicklungen im Holzbau widmeten. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung galt dabei dem Holzbau im Nachbarland Bayern sowie dem Bauen mit Holz und Glas.

Erfolgreicher Holzbau – 1. Tag

In seinem Eröffnungsreferat greift Architekt Frank Lattke Kernfragen für einen erfolgreichen Holzbau auf. Ausgehend von der Tatsache, dass sich die Produktionsstätten von der Baustelle in die Fabrik verlagert haben, ortet Lattke an der Schnittstelle zwischen Planung und Ausführung einen Flaschenhals-Effekt. Dieser kann zu baulichen Verzögerungen und zusätzlicher Arbeit führen. Beste Gegenmaßnahme ist die Einbeziehung aller Baubeteiligten in einen integralen Planungsprozess vor Baubeginn. Das und die transparente Kommunikation zwischen den Beteiligten sind das Erfolgsrezept für einen erfolgreichen Holzbau.
Für den Glasfachmann Hanspeter Petschenig bedeutet Holz-Glas-Verbund vor allem Bauen im Einklang mit der Natur. Holz-Glas-Fassaden waren bis vor wenigen Jahren eine architektonische Ausnahme. Neue entwickelte Isolierglaselemente, die auch statisch tragende Funktionen übernehmen, verändern nun den Fassadenbau. Umweltschonende CO2-Einsparung und schnelle Montage sind die klaren Vorteile.

Tom Kaden ist Designer und Professor für Architektur und Holzbau an der TU Graz. Für ihn liegt die Zukunft des urbanen Holzbaus im verdichteten Bauen. Primärkonstruktionen aus Holz verbinden die Individualität mit der Möglichkeit der Vergemeinschaftung. Praktisch sind das Wohnungen, die sich über Balkone, Terrassen und Loggien mit dem Raum der Stadt verweben. Und das zu erschwinglichen Baukosten. Welch herausragende architektonische Meisterleistungen im Holz-Glas-Fassadenbau möglich sind, zeigte Dipl. Ing. Karl-Heinz Roth von der Firma Döblin Timber anhand ausgewählter Beispiele auf. Entsprechend den Anforderungen werden vier Konstruktionsprinzipien unterschieden. Gemeinsam ist ihnen die atemberaubende Fassaden-Gestaltung, ob es sich nun um ein Theater, eine Klinik, ein Schulgebäude oder das Elefantenhaus des Züricher Zoos handelt.Eine Podiumsrunde schloss den donnerstägigen Vortragsreigen ab. Inhaltlich weitgehend einig, bekannten sich die Referenten zu Maßnahmen, die die Holzbaubranche in der Gesellschaft stärken sollten. Konkret gilt es, von der Politik mehr Rückhalt einzufordern sowie über Interessensvertretungen den Holzbau nachhaltiger in der Öffentlichkeit zu verankern.

Eine Volkstanzgruppe, die Plattlergruppe aus Assling, leitete dann mit einem temperamentvollen Auftritt im schenkel- und händeklatschenden Rhythmus zum gemütlichen Teil über. Dann wurd’s richtig bayrisch, den Tagenden ein zünft’ges Essen serviert. Einen Allgäuer Zwiebelrostbraten mit Röstzwiebel und Bratkartoffeln, dazu Augustinerbier – das ließ die Teilnehmer die Anstrengungen des Tages vergessen. Im Hintergrund spielten die Seespitzler aus dem Defreggental mit stimmungsvollen Landlern auf. An den Tischen wurde nicht nur über das ausgezeichnete Essen und das Bier gesprochen, auch über die gehörten Vorträge wurde ausgiebig und hitzig diskutiert. Die Letzten verließen gegen drei Uhr früh den Tagungsort.

Haus der Zukunft – 2. Tag

Dipl. Ing. Wolfgang Streicher von der Technischen Universität Innsbruck stellte sich der Frage: Was ist ein intelligentes Haus? Und die Antwort ist nicht Hightech sondern integrale Planung auf Lowtech-Basis. Architekten und Haustechniker müssen von Anbeginn an zusammen arbeiten, ist seine Schlussfolgerung. Zudem plädiert Streicher für Kostenwahrheit, nämlich, dass für Bauobjekte neben den Entstehungs- auch Folgekosten einkalkuliert werden, was sich auch in den Förderungen niederschlagen soll. In der Planung sollen künftig auch bisher eher vernachlässigte Faktoren wie Sonn- und Schattenseiten oder lüftungsbeeinflussende Speichermasse Berücksichtigung finden.

Im letzten Referat äußerte sich die Trendforscherin Oona Horx-Strathern über das Zukunftshaus. Wie werden wir in Zukunft wohnen? Wenn es auch keine eindeutige Antwort gibt, so sind es einige Aspekte, die für sie Future Living ausmachen. Die Architektur muss sich den Bedürfnissen des Einzelnen anpassen. Grundbedürfnisse werden sich nicht ändern, aber die soziale Interaktion. Somit ergibt sich auch eine andere Ausstattung: Das Bad wird zum individuellen Wohnzimmer, die Küche zum Gemeinschafts- und Kommunikationsraum usw. Dadurch verändern sich räumliche Größenordnungen unmittelbar im Grundriss. Im Trend zu Ritualen und zu neuer Achtsamkeit spielt der Baustoff Holz zunehmend die Hauptrolle.

Ganz am Schluss aber wurde es wieder bayrisch. Weißwurst mit Laugenbrezln und süßem Senf, gab es zum Ausklang der Holverbindet-Tagung 2018. Viele Tagungsteilnehmer nutzten dieses gemütliche Ambiente zu smalltalk, tauschten Erfahrungen und Adressen aus, ehe sie sich voll neuer Ideen und Kontakten auf den Heimweg machten.

    ANMELDUNG

    INFORMATIONSTAGE
    "CHANCEN UND ENTWICKLUNGEN IM HOLZBAU"

    Zeit: Donnerstag, 15. März – Freitag, 16. März 2018
    Ort: THEURL Holzindustrie, 9911 Thal – Wilfern 40

     

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